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Forschung | Forschungsthemen

DIE SCHLÜSSELTHEMEN MENSCHLICHER VERHALTENSEVOLUTION

Unsere Forschungsthemen und ihre Projekte sind kurz- und mittelfristig angelegt.

Warmzeiten: Menschliche Verhaltensstrategien
Ernährung
Regelwerk früher Gesellschaftssysteme

Warmzeiten

Forschung | Forschungsthemen | Warmzeiten

MENSCHLICHE VERHALTENSSTRATEGIEN IN WARMZEITLICHEN UMWELTEN

Wie wir am Klimawandel gewachsen sind.

Klimawandel gehört zur menschlichen Entwicklungsgeschichte wie eine Reiberei unter Geschwistern. An ihr wachsen wir, sie zwingt uns auf neue Wege. Und wird in Zukunft wieder ein neues Kapitel einleiten – oder das Buch unserer Geschichte endgültig zuschlagen. Höchste Zeit also zu erforschen, was der Klimawandel für unsere Verhaltensentwicklung bedeutet!

Globale Erwärmung im 100.000 Jahre-Takt

Die bevorstehende globale Erwärmung hat katastrophale Ausmaße, ist aber bei weitem nicht die erste in der Menschheitsgeschichte. Vorangegangene Warmzeiten, sogenannte Interglaziale, wiederholten sich im regelmäßigen Rhythmus. Sie bescheren der Archäologie ideale Forschungsbedingungen:

  • die Funde aus Warmphasen erhalten sich meist gut. Hochauflösende Archäo- und Öko-Archive bilden die Voraussetzung dafür, das komplexe Beziehungsgeflecht zwischen Umwelteinfluss und Verhaltensmustern zu entwirren.
  • Überlebensstrategien in warmzeitlichen Urwäldern stellen den Menschen vor extreme Aufgaben.
  • Wie unsere Vorfahren sich diesen Herausforderungen stellten, welche Verhaltensweisen sie dabei weitervererbten, vergleichen wir vom Mittelpleistozän vor etwa 500.000 Jahren bis in das heutige Holozän.

On the shoulders of giants

Die Auswahl gleichartiger Umweltsituationen setzt einen Filter vor die Evolution menschlichen Verhaltens. Der diachrone Vergleich zeigt, wie sich menschliches Verhalten in gleichartigen Umweltsituationen zu unterschiedlichen Zeiten entwickelt hat.

Aktuelle Forschungsprojekte konzentrieren sich auf die Verhaltensentwicklung in älteren Warmzeiten. Bilzingsleben, Neumark-Nord und Schöningen sind die wichtigsten Fundplätze aus der Zeit vor 400.000 bzw. 120.000 Jahren.

Die Forschungen integrieren die Ergebnisse jüngst abgeschlossener Projekte zu den Überlebensstrategien am Beginn des Holozäns.

Ernährung

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HUNGER IST DER MOTOR ZUR ENTWICKLUNG UNSERES VERHALTENS

Die Ernährung ist Dreh- und Angelpunkt der Verhaltens-entwicklung.

Der Allesfresser Mensch ist erfinderisch bei der Akquise von Nahrungsmitteln. Und doch gleichzeitig so wählerisch, wenn es ums Essen geht.

Wir erforschen alle Facetten der Ernährung: die Auswahl, Beschaffung, Verarbeitung von Nahrung, Vorratshaltung und die dazu erforderlichen Technologien und Landnutzungssysteme. Entwicklungen von Siedlungsverhalten und Gesellschaftsstruktur sind untrennbar mit der Ernährung verbunden.

Zwei große Entwicklungsschritte stechen prägnant hervor:

  • Das Aufkommen der Großwildjagd, eines der wichtigsten Kapitel in der Geschichte unserer Verhaltens-
    entwicklung.
  • Die Entstehung unserer heutigen Ernährungsweise, der intensiven Nutzung lokaler Ressourcen bis hin zu deren gezieltem Anbau.

Regelwerke früherer Gesellschaftssysteme

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UNSER ZUSAMMENLEBEN BASIERT AUF NORMEN UND KONVENTIONEN

Sie lenken Arbeitsteilung, Rollenverhalten, Raumplanung und Zeitmanagement.

Regelwerke legen seit 40.000 Jahren die Spielregeln für das soziale Miteinander fest. Die archäologische Überlieferung ändert sich dadurch umfassend: seitdem treten regelhaft funktionsspezifische Siedlungseinheiten auf. Kunst, Ritus und Bestattungen bezeugen, dass der Mensch sich mit einer Welt jenseits der Sinneswahrnehmung auseinandersetzt.

Unsere Forschungsprojekte untersuchen die Entstehung und Etablierung gesellschaftlicher Regelwerke. Schwerpunkte sind zum einen die »Pionierphasen« der Besiedlung neuer Landschaften. Zum anderen steht die späte Eiszeit im Mittelpunkt. Intensiv belebte und fest eingerichtete Plätze wie Gönnersdorf, Andernach oder Oelknitz sind wahre Kompendien gesellschaftlicher Regelwerke und ihrer Interaktion mit kosmologischen Vorstellungen.